Haus Wildenrath

Natürlich inklusiv –
Ein Naturprojekt, das Menschen verbindet
In der Naturschutzstation Haus Wildenrath entsteht ein Naturraum, den Kinder, junge Erwachsene, Senior*innen und Menschen mit Beeinträchtigungen gemeinsam planen, bauen und ausgestalten – ein Projekt, das Inklusion nicht nur ermöglicht, sondern lebt.
Die Umweltpädagoginnen vor Ort waren:
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Videoerstellung und -bearbeitung: Stoker Media
Finanziert wurde dieses Projekt durch: LVR Netzwerk Kulturlandschaft
Wir danken allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und hoffen, in Zukunft noch weitere - ähnliche - Projekte auf die Beine stellen zu können.
Ein Raum, der Menschen zusammenbringt
Es ist ein warmer Spätsommertag, als Kinder verschiedenster Hintergründe gemeinsam den letzten Strauch neben den neuen Pavillon setzen. Zwischen Werkzeugen, Lachen und einer Handvoll Schafswolle, die als Windschutz in Netzte eingearbeitet wird, zeigt sich, was dieses Projekt ausmacht: ein Raum in der Natur, der von vielen Händen geschaffen wurde – und für alle gedacht ist.
„Wir wollten einen Ort schaffen, der schützt, ohne abzuschirmen“, erklärt Projektleiterin Natascha Lenkeit-Langen von der Naturschutzstation Haus Wildenrath. „Ein Raum, der sich der Natur öffnet und gleichzeitig allen Menschen die Teilhabe ermöglicht.“
Mit dem Projekt „Natürlich inklusiv“, gefördert im Rahmen des LVR-Netzwerks Kulturlandschaft, setzt die Station ihre langjährige Arbeit im Bereich inklusiver Umweltbildung fort. Beteiligt sind Einrichtungen aus dem Kreis Heinsberg:Seniorenheime, Gruppen aus der Kinder- und Jugendarbeit sowie Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen. Wertvoll waren außerdem die Teilnehmenden des internationalen Jugend-Work-Camps, die während ihres 14-tägigen Aufenthalts sehr motiviert mitarbeiteten.
Die Idee: Ein Naturraum für alle
Die Grundidee entstand aus einem Problem der Praxis: Frühere Naturbühnen bestanden aus reiner Umgebung – Wiese, Wald, Wetter. „Wir haben oft feststellen müssen, dass die Natur als Bühne nicht für alle geeignet war, viele Projekte wurden durch den Unwillen des Wetters gestört“, sagt Lenkeit-Langen, die das Projekt nicht nur leitet, sondern ebenfalls als Pädagogin begleitet.
Zu heiß, zu nass, zu ungeschützt – für viele Teilnehmende, besonders Senioren und Menschen mit Beeinträchtigung, war das eine Barriere.
Der neue Raum sollte deshalb zweierlei sein:
Schutzraum und Naturbühne zugleich.
Bottom-up: Ideen wachsen von unten
Ein Kern des Projekts ist das Bottom-up-Prinzip: Ideen sollten nicht vorgegeben, sondern entwickelt werden.
In Workshops zeichneten die Teilnehmenden erste Entwürfe, probierten Größen aus, maßen Flächen ab und diskutierten Materialien. Dieses Konzept des aktiven Mitgestaltens sorgte für sehr viel Spaß und machte das Projekt für die Teilnehmenden direkt erlebbar.
Manche Kinderideen – etwa meterhohe Traumtürme oder fantasievolle Rundbauten – waren zwar nicht realisierbar, aber wichtig für den Prozess: Sie öffneten den Blick für Bedürfnisse, Größenverhältnisse und Funktionen. Die wichtigsten Schritte jedoch, beispielsweise die Größe, wurden von den Umweltpädagoginnen Natascha Lenkeit-Langen und Helga Kortzitze begleitet, um einen tatsächlich durchführbaren Plan zu gestalten. Dabei wurde darauf geachtet, den teilnehmenden Kindern und Senioren das Gefühl selbständig geplant zu haben, zu lassen.
Natürlich brachten alle Teilnehmenden verschiedene Voraussetzungen mit. Trotzdem gelang den Pädagoginnen, durch Anpassung an die individuellen Möglichkeiten, eine durchgängige Beteiligung aller. “Wir haben alle dort abgeholt, wo sie stehen. Am Ende konnte jede Gruppe etwas einbringen.“
Planung, Bau und Ausgestaltung
Der Bau erfolgte durch zwei erfahrene Zimmermänner, die die Teilnehmenden eines internationalen Jugend-Work-Camps anleiteten, dass im Sommer an der Naturschutzstation Haus Wildenrath stattfand. Dieses Camp war eine besondere Bereicherung: Junge Menschen aus verschiedenen Ländern Europas arbeiteten gemeinsam an dem Projekt, bauten, gestalteten und begleiteten Prozesse mit viel Enthusiasmus und Motivation.
Die Arbeit mit dem internationalen Camp erwies sich als sehr positive Erfahrung. Die englische Kommunikation verlangte bei Absprachen und im Arbeitsprozess zusätzliche Aufmerksamkeit, bereicherte jedoch die Zusammenarbeit und förderte einen zusätzlichen gemeinsamen Lernprozess. So berichtet auch Natascha Lenkeit-Langen: „Wir hatten als offizielle Projektsprache Englisch – und trotzdem haben sich alle verstanden. Das war für mich einer der bewegendsten Momente.“
Schritt für Schritt entstand der Naturraum:
Zu Beginn fanden Workshops zur Planung statt, hier entstanden Ideen zur Standort- und Materialwahl, erste Ausgestaltungsmöglichkeiten und auch schon Skizzen. Dieser Plan wurde dann vom internationalen Camp umgesetzt, angeleitet von professionellen Zimmermännern. Nach Aufbau des Naturraums folgte die Ausgestaltung: eine Begrünung des Daches zur ökologischen Einbettung und Windschutz durch verschiedene Methoden. Es wurden Netze an den Seiten aufgespannt, die dann durch Teilnehmende mit Schafswolle durchflochten wurden- ein toller Schutz mit Verwendung von Naturmaterialien. Außerdem wurde eine Hecke als Wind- und Sichtschutz mit verschiedenen Durchgängen geplant. Die Umsetzung erfolgte durch die teilnehmenden Kinder. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten haben sich zudem Menschen mit Beeinträchtigung beteiligt.
Diese legten dabei, zur Freude der Pädagoginnen, erstaunlich viel Spaß und Eifer an den Tag. Sobald sie verstanden hatten, was zu tun ist, schritten sie mit großer Begeisterung sofort zur Tat.
Es war deutlich zu spüren, dass die Begrünung, welche zentraler Bestandteil des Projekts war, dem Gelände eine neue Wirkung verlieh. Alle Beteiligten nahmen den Bereich schnell an und fühlten sich sichtbar wohl.
“Die Begrünung schafft nicht nur Atmosphäre, sie ist auch ein symbolischer Akt: Wir verwurzeln diesen Ort.“
Workshops, Herausforderungen und ein Naturtheaterstück
Nicht alles verlief wie geplant. Personalmangel, ein Todesfall in einer Gruppe, Hitzewellen und gesundheitlich bedingte Ausfälle führten dazu, dass einige Gruppen zeitweise nicht teilnehmen konnten. Deshalb blieben manche geplanten Begegnungen leider aus. Allerdings waren die begleitenden Pädagoginnen auf ein solches Problem bereits vorbereitet und wussten damit umzugehen:
„Wenn man mit Menschen arbeitet, muss man flexibel bleiben“, sagt Lenkeit-Langen. „Manchmal hat eine Gruppe einfach gefehlt – dann haben wir eben mit denen weitergemacht, die da waren.“
So gelang es, trotz anfänglicher Problematik gut, die geplanten Projektbausteine umzusetzen:
• Planungsworkshops
• Gestaltungsworkshops
• Theaterproben
• gemeinsames Naturtheaterstück zur Einweihung
Das Theaterstück wurde improvisationsbasiert entwickelt. Kinder und Jugendliche spielten zentrale Rollen und erschufen eine tolle Aufführung. Die Gruppe von Menschen mit Beeinträchtigung war eher beobachtend beteiligt, aber voller Freude dabei.
„Für viele war es einfach schön, da zu sein – und das ist völlig ausreichend. Inklusion heißt nicht, dass alle alles machen müssen.“
Gemeinsames Arbeiten
Im Vorgängerprojekt (2021/22) arbeiteten Senioren, Kinder und Menschen mit Beeinträchtigung eng zusammen. Diese Erfahrung bildete eine wichtige Grundlage für das aktuelle Projekt.
Auch diesmal standen Begegnungen auf dem Programm. Besonders zwischen Kindern und Senioren entstanden dabei wertvolle und berührende Momente.
“Kinder und Senioren harmonieren erstaunlich gut miteinander. Das hat mich immer wieder berührt.”
Ein besonderer Höhepunkt war das Richtfest, das gemeinsam mit dem internationalen Jugend-Work-Camp gestaltet wurde. Die Teilnehmenden entwickelten dafür eine gemeinsame Performance– ein Fest, das Tradition und Kreativität verband. Das Publikum wurde aktiv einbezogen und konnte so das Projekt miterleben, was sehr schöne Momente hervorrief, die vielen bestimmt lange in Erinnerung bleiben werden.
Bedeutung und Ausblick
Der Pavillon bleibt als dauerhafter Aufenthaltsraum im Gelände bestehen.
Er bietet Schutz vor Wetter, öffnet sich aber gleichzeitig zur Natur: ein Ort für Workshops, Theater, Begegnung, Umweltbildung und stille Momente.
Die Teilnehmenden gaben positive Rückmeldungen – manche kamen wieder, andere erzählten Zuhause stolz von „ihrem“ Pavillon.
Das Projekt war zwar von einigen Herausforderungen begleitet, diese wurden vom Team jedoch nicht nur erfolgreich gemeistert, es entstanden zudem neue Chancen und Ideen für kreatives Arbeiten und eine Stärkung der Zusammenarbeit aller Beteiligten.
„Am Ende ist ein Gemeinschaftswerk entstanden – von Kindern, von Menschen mit Beeinträchtigung, von jungen Erwachsenen aus ganz Europa, von Ehrenamtlichen und Angehörigen. Diese Vielfalt ist das Herz des Projektes.“
Für die Zukunft wünscht sich Lenkeit-Langen, dass der Raum weiterhin genutzt, gepflegt und bespielt wird, als lebendiger Ort der Natur- und Gemeinschaftserfahrung.
Besuchen und genießen auch Sie gerne unseren besonderen Raum in der Natur Wildenraths!
Kontakt
Naturschutzstation Haus Wildenrath
Naturparkweg 2, 41844 Wegberg
Telefon: 02432 / 907 39 00